Burkhard Schmiester - Autor und Regisseur


Inhalt:

1. Leserbrief zum Selbstverständnis der Kölner Theaterzeitung akT

2. Der Untermieter / In fremde Köpfe gekrochen


***

1.

Leserbrief an akT


Verehrte Herausgeber, verehrte Redaktion,

liebe Frau Westphal, liebe Frau Netz,

es sei Ihnen versichert: sollte akT nicht mehr finanziert werden können und eingestellt werden müssen, würde ich das sehr bedauern, auch wenn meine Begeisterung nach den ersten Exemplaren von akT einem kritischen und bedenklichen Verfolgen der Entwicklung dieser Zeitung gewichen ist. Dennoch: auch zunehmend skeptisch geworden, möchte ich ein Leser von akT bleiben und wünsche sehr, dass ein Mäzen für den Erhalt dieser Kölner Theaterzeitung gefunden wird.

Meine Kritik an akT aber will ich hier und jetzt formulieren.

In dem Editorial der letzten Ausgabe schreiben Sie, Frau Westphal, und Sie, Frau Netz, dass Sie die Erwartungen, sich redaktionell in kulturpolitischen Fragen klarer zu positionieren (eine Erwartung die dezidiert auch von mir an Sie herangetragen wurde), nicht erfüllen wollen. Ich habe in einem Brief an Sie hinsichtlich des brisanten Themas der Arbeit der Jury für den Kölner Theaterpreis und auch deren Entscheidungen, einen investigativen Journalismus eingeklagt, einen kritischen, nachfragenden und aufdeckenden Journalismus also, dessen sich viele Zeitungen gern rühmen und der eben auch ruhmvoll ist, weil er der Lüge entgegensteht, der Scheinheiligkeit und der Verschleierung, und sich nicht sich mit gegebenem Schein begnügt. Auch die durchgesickerten Empfehlungen des Theater-Beirats bedürften wohl der kritischen Würdigung, ein „unglaublich schade“ wie zur empfohlenen Streichung der Konzeptionsförderung des Artheaters ist um so viel zu wenig, wie dieses sanfte Bedauern niemand wahrnehmen und schon gar nicht eines anderen belehren wird. Sie aber fürchten, dass akT bei einem sich einlassenden, kritischen und aufklärenden Einsatz zu einem „Kampforgan“ werde und wollen lieber die brisanten Themen der Kölner Theater- und Kulturpolitik umgehen, sie nicht hinterfragen und nur ein „Spiegel“ der Kölner Theaterszene sein, in dem Sinne, dass Sie zu reflektieren, ohne aber zu reflektieren, die Oberfläche nur abzubilden wünschen.

Schade – und wenn es dabei bleiben sollte, werden Sie mich als Leser verlieren, denn ich muss akT dann als ein zahn- und damit witzloses Periodikum verstehen, als ein „Kampforgan“ lediglich für die Ansichten der Herausgeber und ihrer Kumpane im Sinne eines die kleinen Theater aufopfernden Appeasement.
Dann verwickeln Sie sich in Ihrem Editorial aber in merkwürdige Widersprüche. Aus der Frage Neubau oder Sanierung des Schauspielhauses wollen Sie, so verkünden Sie es zunächst ganz dezidiert, sich heraushalten; flau stellen Sie lediglich ein paar Argumente und Fakten gegenüber, schieben die Problematik ab, schmücken sich höchstens mit fremden Federn, statt engagiert selber eine zu ergreifen und damit eine klare und überlegte, im Zweifelsfall eben auch kämpferische Meinung. Das ist schade. Schlimmer aber ist, dass Sie ganz hinterlistig in diesem darum peinlichen Editorial dann doch eine klare Meinung verkünden und ungeniert, nachdem sie vorher für Enthaltung gestimmt haben, die Seite der Schauspielhausneubauer vertreten. Die besten Gründe dieser für einen Neubau führen Sie an: dass es ein zeitliches Problem geben könne, wenn der vorliegende Ratsbeschluss durch Bürgerbegehren gekippt würde.

Demokratische Entscheidungen also sind Ihnen aufgrund eines zeitlichen Aspekts fragwürdig? Kann man denn mit der Sanierung – da es doch klar ist, dass genügend Unterschriften gesammelt wurden (und ich kann Ihnen sagen, meine ist dabei, und im Severins-Burg-Theater wurde für die Sanierung geworben) – nicht nach Revision des Ratsbeschluss und Neuausschreibung anfangen? Oder wieder mal so gefragt: Wenn man neu baut und eine römische Villa findet, wie lange dauert der Neubau dann? Und was ist, wenn schönste Hoffnungen auf eine bessere Befolgung bauaufsichtlicher Maßnahmen wieder enttäuscht werden und die Unterbühne des neuen Schauspielhauses bei Hochwasser des Rheins regelmäßig geflutet werden muss, um ein Abrutschen des Parketts in den Orchestergraben zu vermeiden?

Sehr geehrte Frau Netz, sehr geehrte Frau Westphal, Sie schreiben in Ihrem Editorial dann, dass akT ein „wichtiges Forum“ sein soll, „wo alle relevanten Themen behandelt werden“. Wieder also steht da etwas Fragwürdiges, dass ich Ihnen auch darum den Guido machen muss. Ein Forum? Bedeutet das nicht die Veröffentlichung und Austragung konträrer Ansichten, heißt das nicht Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zuzulassen – speakers corner im akT? Ein schöner Plan, aber jenseits der von Ihnen gepflegten journalistischen Wirklichkeit, eigentlich nur eine Ihre wahren Abhängigkeiten vernebelnde Behauptung.

Ein Forum zu sein hat akT noch nie eingelöst und will es offensichtlich auch gar nicht. Brav will man sich zurückhalten, keinem weh tun, niemand auf die Füße treten, niemandem, von dem man sich im Zweifelsfall abhängig oder im Besonderen verbunden fühlt – journalistischer Lobbyismus fühlt sich so an. Wenn es aber um die geht, die nicht eigentlich redaktionelle Rücksichten erwarten können und keine Lobby in der (Kultur)Politik oder bei den Herausgebern haben, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter die kleinen Theater jenseits Studiobühne und Bauturm unter die Feder bekommen, die also, die in verhasster Tradition („Schlagt ihn tot den Hund, er ist ein Rezensent!“) Opfer Ihres Blattes werden, dann allerdings gibt es keine Zurückhaltung mehr, dann schlagen Sie zu und akT wird zum Kampfblatt: verbale Dolchstöße werden beigebracht und zu fügen hat man sich dem maßlosen Urteil, mit dem aufgrund der Kritikerhybris auch das letzte Wort gesprochen ist: in dieser absolutistisch anmutenden Form der Berichterstattung über die Produkte eines Theaters, eher ex cathedra als irgend begründet.

Premieren also, sagen Sie, werden „kompetent“ rezensiert? Kompetent, sagen Sie – ja, wenn von dieser Kompetenz sonst niemand spricht, dann muss man sich das eben selbst einmal sagen und sich selber versichern, dass mit diesen herben Urteilen namens Kritik auch noch Denkanstöße gegeben werden.
Glaube Sie das denn wirklich? Ist der kompetent, der z.B. mich nie getroffen, nie gesprochen, der bislang noch nie etwas von mir gesehen hat? Ist der kompetent, der sich gar nicht für mich, für meine Vorstellungen und Einstellungen, für meine Werte und mein Denken interessiert, der überhaupt nicht wissen will, wie ich ticke, wie ich mich auf eine Inszenierung vorbereitet habe, warum ich zu einem solchen Regie-Konzept nach reiflicher Überlegung gekommen bin und weshalb ich dieses Experiment wage? Ist der kompetent, der ignorant jeden persönlichen Kontakt mit einem Theatermacher als Beeinflussung zurückweist und sich in das von ihm als alleinigen Maßstab ausgewiesene Eigen-Wissen um Ästhetik und Form des Theaters zurückzieht – verbohrt und voreingenommen, eitel nur, selbstherrlich, anstößig, ohne aber irgendeinen Denkanstoß zu geben?

Ich werde mir um die Berechtigung der tradierten und von Ihnen hemmungslos im feudalistischen Stil vertretenen Institution „Kritik“ mal Gedanken machen, ich hoffe aber, auch Sie werden das tun – dass wir uns austauschen können.

Vorab aber möchte ich Sie, um ein Beispiel zu nehmen und da Sie immer wieder Experimente von den Theatern fordern, in meine Inszenierung des „Macbeth“ einladen; anschließend lesen wir dann gemeinsam die Kritik Ihrer Mitarbeiterin Gondorf aus akT 11 und Sie sagen mir, warum das kompetent und keine Beleidigung, sondern ein Denkanstoß ist.

Mit herzlichen Grüßen und Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft,


Ihr
Burkhard Schmiester


PS: Ich möchte Frau Gondorf, die zur Premiere des „Macbeth“ rücksichtslos zehn Minuten zu spät erschien und in dem ausverkauften Theater rigoros einen Platz forderte, um später mit dem Ausdruck des Ekels und ohne jede weitere Regung den jubelnden Applaus ungerührt hinzunehmen, nicht wieder begegnen, ich würde ihr sonst sehr goethisch kommen. Schicken Sie mir also diese in Krefeld/Mönchengladbach und Saarbrücken gescheiterte Ex-Dramaturgin nie wieder, lassen Sie sie auf ihrem „weichen Teppich“ liegen, von dem Frau Gondorf im Internet schwärmt, auf ihm „unvergessliche Nachmittage zu Hause in Düsseldorf vor einer grün leuchtenden Radioskala“ verbracht zu haben.


***

2.


Die folgenden Texte entstanden, nachdem ich das Severins-Burg-Theater aus persönlichen Gründen mit befristeten Untermietvertrag 2004 für zunächst zwei Jahre, letztlich bis Ende 2007 befristet, an die Kabarett-Bühne "Eifelturm" untervermietete und der letzte Mieter das Theater trotz auslaufendem Vetrag nicht räumen wollte. D

Der 1.Vorsitzende des Vereins, Jan Bergrath, suchte mich sogar aus dem Mietvertrag zu drängen, indem er mit dem Eigentüner konspirierte, rufschädigend unterstellte er mir Unkollegialität und Ausbeutung, er suchte allerdings selber mit intriganten und betrügerischen Mitteln, mir zu schaden. Letztlich behauptete er, ich hätte ihm mündlich eine Vertragsverlängerung bis Ende 2009 angeboten, und die Gunst der dem Mieter zugeneigten Gerichte nutzend, klagte er und erhielt vor dem Landgericht Köln Recht.

So geht das Ganze nun vor das Oberlandesgericht, denn Bergrath droht in der Folge seiner bislang erfolgreichen Feststellungsklage mit einer Schadensersatzklage, um mich finanziell zu ruinieren. Das OLG aber hat meine Berufung und den Antrag auf Prozesskostenzuschuss bereits angenommen und damit  der Abweisung der Bergrath'schen Klage Aussicht auf Erfolg unterstellt.

Inzwischen ist die Verhandlung vor dem OLG gewesen: Ohne Aussicht auf Erfolg hat Bergrath seine Klage zurückgenommen! Er trägt alle Kosten.


Der Untermieter

Ich habe einen Untermieter.
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Der mag mich nicht.
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Und das wirft er mir vor.
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Ich habe diesen Untermieter, weil ich einige Zeit auf Reisen war. Dass ich dann wiederkam, wunderte meinen Untermieter: er fand das, wie er mir beteuerte, unverschämt und rücksichtslos, denn damit habe er nicht rechnen können und nur unwillig ließ er mich in meine Wohnung. Jetzt wohnen wir zusammen, mein Untermieter und ich. Notgedrungen.
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Aber mein Untermieter mag nicht mit mir zusammen wohnen. Er hätte die Wohnung lieber für sich allein. Schließlich habe er sich in der Zeit meiner Abwesenheit daran gewöhnt, sie für sich zu haben. Allein in meiner Wohnung zu wohnen nennt er sein Gewohnheitsrecht. Jeden morgen erklärt er mir, dass das Zusammensein mit mir für ihn eine Zumutung sei; er sagt auch, dass ich ihn ausbeute, dass ich ihn seit meiner Rückkehr ausnutze. Und während meiner Abwesenheit habe er nicht nur die Miete gezahlt, er habe dieses und jenes renovieren und in dem ein oder anderen Fall sogar einen Handwerker in Anspruch nehmen müssen, denn ich hätte ihm ja „ein Loch“ vermietet! Und er sagt, dass er auch hätte heizen müssen, dass Gas aber teuer sei, und auf den teueren Strom zum kochen, backen und lesen habe er, nur weil ich nicht dagewesen sei, auch nicht verzichten wollen, jetzt aber wolle er die Ausgaben für Strom und Gas, für Renovierungen und Handwerker, für die Reinigungskraft, die wöchentlich einmal Bad und Klo geputzt habe, von mir zurückerstattet bekommen, schließlich sei das ja meine Wohnung und ich für alles verantwortlich.
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Jeden morgen rechnet er mir das seit Tagen vor, nennt mich einen Parasiten und Nassauer und er droht, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Schon zum Frühstück nervt er: Was ich denn eigentlich in meiner Wohnung wolle? Ich hätte zu gehen, ich hätte zu zahlen und dass ich zurückgekommen sei, sei ja nie vorgesehen gewesen, das sei eine Eigenmächtigkeit und Unverschämtheit.
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Doch ich bleibe. Und ich zahle nicht. Ich verstehe meinen Untermieter auch gar nicht. Das wirft er mir vor. Er sagt, dass er mich nicht möge. Nicht als Mensch und schon gar nicht in der Wohnung.
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In meiner Wohnung herrscht mein Untermieter. Und mein Untermieter mag mich nicht.
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Immer wenn ich nach Hause komme, steht meines Untermieters Lebenspartnerin in der Tür. Sofort läuft der Staubsauger an und sie hinter mir her, saugend. Ich sei, sagt sie, so unsauber und hinsichtlich der Reinlichkeit weit unter ihrem Niveau. Unter dem meines Untermieters sowieso, sagt sie, in jeder Beziehung. Und der lobt sie dann lautstark, nennt sie eine tüchtige und säuberliche Hausfrau; er lässt sie aber weitter nicht zu Wort kommen - nur dass ich die Klobürste verschlampt hätte, das lässt er sie noch sagen, dass die weg sei, wirft also sie mir vor.

Ich habe meine Klobürste nicht verschlampt.
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Da baut mein Untermieter sich vor mir auf: Dass das meine Klobürste sei, müsse er mit Fug und Recht bestreiten! Er habe inzwischen, weißgott, schon die dritte auf eigene Rechnung gekauft und die wolle er jetzt sofort ersetzt haben, widrigenfalls sein Anwalt auf Wiederbeschaffung klage. Er schreit mich an, dass er, wenn ich nicht sofort pariere, meine alten Weingläser zerschlage und Schuld daran sei dann nur ich! Die Klobürste hätte ja schließlich auch ich auf dem Gewissen. Und da falle ihm noch ein, dass ich ja einen Haus- und Wohnungsschlüssel hätte, seine Wohnung – Meine Wohnung, werfe ich ein und er herrscht mich an, das ich ihn gefälligst ausreden lassen solle –, seine Wohnung also sei jetzt nicht einmal mehr vor Dieben sicher, er werde vorsorglich sofort die Feuerwehr anrufen, für die Einsatzkosten hätte natürlich ich aufzukommen.
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Da habe ich meinem Untermieter gesagt, dass ich den Untermietvertrag nicht mehr verlängern würde – mir selbst habe ich vorgeworfen, nicht schon längst auf diese Idee gekommen zu sein. Da hat mein Untermieter die Polizei angerufen: Diese Nichtverlängerung, diese ungerechtfertigte Kündigung wolle er als ein Verbrechen anklagen und ich gehöre in eine Zelle, langfristig, damit er endlich seine Ruhe habe – in meiner Wohnung.
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Doch ich gebe keine Ruhe.
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Ich mag meinen Untermieter nicht.
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Jetzt schon gar nicht mehr.


Meine kleinen Glossen (s.o. und s.u.) erhielt folgenden Betroffenheitskommentar:

"Werther Burkhard,
die Gedanken sind frei, und Deine Gedanken sind ziemlich wirr. Ich beobachte jetzt seit geraumer Zeit den geistigen Dünnschiss, den Du auf Deiner Homepage zum Thema Untermieter verbreitest und offenbar mir gewidmet hast. Nun ja, in unserem Land steht es jedem Bürger zu, sich durch seine Äußerungen selber lächerlich zu machen.
Als ehemaliger Leiter der Kabarettbühne Eifelturm kann ich Dir natürlich nicht untersagen, Dich in pointierter, deftiger und überspitzter Form über das Untermietverhältnis zu äußern. Ich denke mir dann immer - was für eine arme Socke. Allerdings kann ich Dich dazu auffordern, es zu unterlassen, nachweislich Unwahrheiten zu verbreiten. Und das werde ich ab sofort tun, wenn es sein muss, auch Zug um Zug:

Ich fordere Dich hiermit auf, die Behauptung, der Elektriker sei ein guter Freund von mir, sofort zu löschen. Damit wird unterstellt, ich hätte krumme Geschäfte zu Deinem Nachteil gemacht. (...)
Ich war mit diesem Elektriker weder befreundet noch stand ich mit ihm in einem anderen als einem rein geschäftlichen Verhältnis.
Ich gebe Dir zwei Tage Zeit, das zu ändern.
Mit besten Grüßen
Jan Bergrath"


***

In fremde Köpfe gekrochen

Ein Ausflug mit hochprozentigen Wahrheitend
... den Gedanken eines 1.Vorsitzenden auf der Spur

1.
„Also, das tut man doch nicht! - Okay, ich hab einen Untermietvertrag unterschrieben. Gut, da stand auch ein Datum drin. Also der Vertrag war befristet, nun ja! Aber das nutzt man doch nicht aus! Also ich habe nie damit gerechnet, dass mein Vermieter den Vertrag plötzlich nicht mehr verlängern will. Ich finde das heimtückisch - ja, das ist Mobbing, Untermieter-Mobbing! Also, wenn der so weitermacht, wende ich mich an die BILD! Naja, zweimal habe ich ihn ja gefragt, ob er mir den Untermietvertrag verlängere und zweimal hat er gesagt: Gut ja, verlängern wir ihn um ein Jahr. Aber dass ich ihn damals gefragt habe, das kann er doch jetzt nicht gegen mich verwenden und diesmal, wo ich nun mal nicht gefragt habe, so mir nichts dir nichts kündigen. Das ist doch die reinste Willkür – eine Enteignung! Ja, das ist es! Der Mann macht sich doch strafbar! Was denkt sich dieser Mensch bloß? Der nutzt mich einfach aus und will plötzlich ... Also, der soll doch mal überlegen, wie es die letzten Jahre war, da war doch ich – und jetzt so was, bloß weil der Mietvertrag befristet ist und ich das unterschrieben habe! Das sind doch mehr als drei Jahre her! Das muss man doch bitteschön bedenken: drei Jahre! Wer wohnte denn in der ganzen Zeit in dieser Wohnung? Ich doch wohl – und der Typ war, wo weiß ich, jedenfalls nicht da. Und jetzt einfach wiederkommen und wieder hier wohnen wollen, in meiner Wohnung! Ich habe mich schließlich daran gewöhnt, hier zu wohnen, und da wird doch wohl dieser Vertrag nichts daran ändern können. Das ist doch Papier, reine Theorie! Aber dass ich hier wohne ist Praxis – das ist die Realität. Ich solle, schreibt er mir neulich, über alles noch mal nachdenken – also, das war ein Brief! Die reinste Häme war das, mit der er mich da überzieht: Nachdenken soll ich! Das ist doch eine geradezu unsittlich Forderung: Ich soll denken! Das hat sich ja noch nie jemand getraut, mir zu sagen.“

2.
„Mann hab ich mich gerade aufgeregt! Ich hab erst mal geputzt. Dabei kann ich mich am besten abreagieren. Außerdem hat meine Wohnung sauber zu sein. Blitzblank! Ich hab da immer sehr viel Wert drauf gelegt. Bei mir kann man vom Boden essen! Also, als ich gerade geputzt habe, ist mir durch den Kopf gegangen, dass mein Vermieter - diese menschliche Zumutung! - mich neulich gefragt hat, warum ich mir denn nicht eine andere Wohnung suche. Hinterlistig, dieser Mensch! Übertölpeln will er mich, übers Ohr hauen, der will mich glatt betrügen! Eine andere Wohnung suchen! Damit würde ich dann ja wohl zugeben, dass ich mit seiner Kündigung einverstanden bin! Na, der kann mich mal – der wird mich noch kennenlernen. Im Flur waren übrigens wieder die Lampen kaputt, also abends und nachts sieht man die Hand da nicht vor Augen. Das geht nicht. Ich denke das ist mietrechtlich auch nicht erlaubt. Aber diesmal zahle ich das nicht, da wird dieser arrogante Vermieter jetzt mal dran glauben müssen. Und wie! Ich tu nichts, ich ruf jetzt einen Elektriker an und lass das so richtig fachgerecht und teuer reparieren. Und die Rechnung geht diesem Ekel zu. Super Idee! Besser ist es wohl noch, wenn ich die Lampenschirme vorher noch abnehme und behaupte, diese Plastikschalen seien durch einen Kurzschluss oder so angekokelt und wegen der Gefahr eines Schwelbrandes hätte ich drei Nächte schon in einem Hotel verbringen müssen – das werde ich ihm dann leider auch in Rechnung stellen. Dieser Vermieter hat sich ja bislang nie um etwas gekümmert. Ich habe hier gewohnt, habe mich zuhause gefühlt und der ist weg und lässt mich die Miete zahlen. Und dann muss ich auch noch für all das aufkommen, was kaputt gegangen ist oder renovierungsbedürftig war – also der hatte mir das Schlafzimmer rot gestrichen hinterlassen! Ich habe kein Auge zugekriegt, bis ich dann alles senfgelb gestrichen hatte. Herrlich, aber auf meine Kosten. Also, wenn ich die alten Lampenschirme jetzt mal abnehme, muss er ja wohl neue kaufen – jedenfalls bestehe ich darauf. Ganz neue Lampen. Und den Elektriker muss er bezahlen. Und das Hotel. Ich will schließlich nicht in einer schwelbrandgefährdeten Bruchbude wohnen. Ordnung muss schließlich sein! Ich geh jetzt gleich mal die Hauben von den Lampen abmontieren und stelle die Dinger dann sicher. Der dämliche Hund bekommt ein Foto. Und dann ruf ich den Elektriker an.“

3.
„Ha, ich hab mit dem Elektriker, der übrigens ein guter Freund von mir ist, telefoniert und der will meinem Vermieter schon mal den Kostenvoranschlag schicken. Ich schreib dem dann gleich auch, wegen der Brandgefahr und dass er schließlich für all das verantwortlich sei. – Oh, sehe ich da nicht den Hauseigentümer?! Den sprech ich jetzt mal an. Also ich werde dem vorschlagen, dass ich eine satt höhere Miete zahle und dafür soll er meinem Vermieter dann kündigen. Ich bin dann der neue Hauptmieter ...“

4.
„Das hat irgendwie nicht geklappt. Verstehe ich aber nicht. Ich verstehe die Welt sowieso nicht mehr, weil: auch das mit dem Elektriker ist schief gegangen. Und jetzt sagt mir auch noch mein Anwalt, dass das mit dem befristeten Mietvertrag wohl ein Ding sei, gegen das man nicht viel machen könne. Der ist jetzt auch noch gegen mich. Ja, also, ich finde – ich finde das ist einfach nicht gerecht. Ich werde trotzdem klagen, ja, vor dem Oberlandesgericht oder noch höher – ganz oben! Jawoll!“

5.
"Schon wieder war das nicht, wie ich es doch erwarten durfte. Der Richter hat mir in der Güteverhandlung doch glatt empfohlen, meine Klage zurückzuziehen! Das will ein Richter sein?! Ha, der kann mich mal, der wird mich noch kennenlernen! Ich zieh das durch, auch gegen jeden Richter - ich will meine Gerechtigkeit, jawoll!"

6.                                                                                                                                                                 "Na bitte, das war ein rechter Salomon, dieser Richter am Landgericht, ich lobe ihn, denn er hat meiner Klage stattgegeben, er sieht das auch so: ein mündlicher Vertrag ist geschlossen worden und die Kündigung ist auch nicht rechtens. Jetzt schlag ich zu: Eine Schadenersatzklage ist fällig! - Doch was ist das, mein Vermieter geht in die Berufung! Unverschämt!, weiß der denn nicht, was Sitte und Anstand ist und dass man sich einem Richter gegenüber ehrerbietig zu verhalten hat und nicht renitent!"

7. "Das darf nicht wahr sein! Meinem Ex-Vermieter als Beklagten wurde hinsichtlich seiner Berufung nicht nur Aussicht auf Erfolg bescheinigt, jetzt hat eine Richterin meine Klage auch noch zurückgewiesen und ich habe den Prozess verloren, muss die Gerichtskosten und die Anwälte  auch noch zahlen! Diese Frau hat meine Argumente so gar ncht verstanden, dabei hab ich auf sie eingeredet, ihr immer wieder erklärt, wie sie die Dinge zu sehen hat - und dann das: die gibt Widerworte, widerspricht mir, lässt mich nicht ausreden! Ja, das hab ich noch von keiner Frau hinnehmen müssen, das muss man sich als Mann eigentlich auch nicht bieten lassen. Wo nimmt diese Frau diese Unverschämtheit her! Die versaut mir die schönste Schadenersatzklage! Und mein Rechtsanwalt, dieses Weichei, der ständig nur um die Richterin herumschwänzelte und sich für jeden seiner Einwände entschuldigte, riet auch noch, die Klage zurückzuziehen. - Ich war ohnmächtig vor Wut und Enttäuschung, denn mein Recht wurde hier und heute mit Füßen getreten ..."