Burkhard Schmiester - Autor und Regisseur


Die folgenden Texte entstanden, nachdem ich das Severins-Burg-Theater aus persönlichen Gründen mit befristeten Untermietvertrag 2004 für zunächst zwei Jahre, letztlich bis Ende 2007 befristet, an die Kabarett-Bühne "Eifelturm" untervermietete und der letzte Mieter das Theater trotz auslaufendem Vetrag nicht räumen wollte. D

Der 1.Vorsitzende des Vereins, Jan Bergrath, suchte mich sogar aus dem Mietvertrag zu drängen, indem er mit dem Eigentüner konspirierte, rufschädigend unterstellte er mir Unkollegialität und Ausbeutung, er suchte allerdings selber mit intriganten und betrügerischen Mitteln, mir zu schaden. Letztlich behauptete er, ich hätte ihm mündlich eine Vertragsverlängerung bis Ende 2009 angeboten, und die Gunst der dem Mieter zugeneigten Gerichte nutzend, klagte er und erhielt vor dem Landgericht Köln Recht.

So geht das Ganze nun vor das Oberlandesgericht, denn Bergrath droht in der Folge seiner bislang erfolgreichen Feststellungsklage mit einer Schadensersatzklage, um mich finanziell zu ruinieren. Das OLG aber hat meine Berufung und den Antrag auf Prozesskostenzuschuss bereits angenommen und damit  der Abweisung der Bergrath'schen Klage Aussicht auf Erfolg unterstellt.

Inzwischen ist die Verhandlung vor dem OLG gewesen: Ohne Aussicht auf Erfolg hat Bergrath seine Klage zurückgenommen! Er trägt alle Kosten.


Der Untermieter

Ich habe einen Untermieter.
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Der mag mich nicht.
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Und das wirft er mir vor.
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Ich habe diesen Untermieter, weil ich einige Zeit auf Reisen war. Dass ich dann wiederkam, wunderte meinen Untermieter: er fand das, wie er mir beteuerte, unverschämt und rücksichtslos, denn damit habe er nicht rechnen können und nur unwillig ließ er mich in meine Wohnung. Jetzt wohnen wir zusammen, mein Untermieter und ich. Notgedrungen.
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Aber mein Untermieter mag nicht mit mir zusammen wohnen. Er hätte die Wohnung lieber für sich allein. Schließlich habe er sich in der Zeit meiner Abwesenheit daran gewöhnt, sie für sich zu haben. Allein in meiner Wohnung zu wohnen nennt er sein Gewohnheitsrecht. Jeden morgen erklärt er mir, dass das Zusammensein mit mir für ihn eine Zumutung sei; er sagt auch, dass ich ihn ausbeute, dass ich ihn seit meiner Rückkehr ausnutze. Und während meiner Abwesenheit habe er nicht nur die Miete gezahlt, er habe dieses und jenes renovieren und in dem ein oder anderen Fall sogar einen Handwerker in Anspruch nehmen müssen, denn ich hätte ihm ja „ein Loch“ vermietet! Und er sagt, dass er auch hätte heizen müssen, dass Gas aber teuer sei, und auf den teueren Strom zum kochen, backen und lesen habe er, nur weil ich nicht dagewesen sei, auch nicht verzichten wollen, jetzt aber wolle er die Ausgaben für Strom und Gas, für Renovierungen und Handwerker, für die Reinigungskraft, die wöchentlich einmal Bad und Klo geputzt habe, von mir zurückerstattet bekommen, schließlich sei das ja meine Wohnung und ich für alles verantwortlich.
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Jeden morgen rechnet er mir das seit Tagen vor, nennt mich einen Parasiten und Nassauer und er droht, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Schon zum Frühstück nervt er: Was ich denn eigentlich in meiner Wohnung wolle? Ich hätte zu gehen, ich hätte zu zahlen und dass ich zurückgekommen sei, sei ja nie vorgesehen gewesen, das sei eine Eigenmächtigkeit und Unverschämtheit.
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Doch ich bleibe. Und ich zahle nicht. Ich verstehe meinen Untermieter auch gar nicht. Das wirft er mir vor. Er sagt, dass er mich nicht möge. Nicht als Mensch und schon gar nicht in der Wohnung.
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In meiner Wohnung herrscht mein Untermieter. Und mein Untermieter mag mich nicht.
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Immer wenn ich nach Hause komme, steht meines Untermieters Lebenspartnerin in der Tür. Sofort läuft der Staubsauger an und sie hinter mir her, saugend. Ich sei, sagt sie, so unsauber und hinsichtlich der Reinlichkeit weit unter ihrem Niveau. Unter dem meines Untermieters sowieso, sagt sie, in jeder Beziehung. Und der lobt sie dann lautstark, nennt sie eine tüchtige und säuberliche Hausfrau; er lässt sie aber weitter nicht zu Wort kommen - nur dass ich die Klobürste verschlampt hätte, das lässt er sie noch sagen, dass die weg sei, wirft also sie mir vor.

Ich habe meine Klobürste nicht verschlampt.
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Da baut mein Untermieter sich vor mir auf: Dass das meine Klobürste sei, müsse er mit Fug und Recht bestreiten! Er habe inzwischen, weißgott, schon die dritte auf eigene Rechnung gekauft und die wolle er jetzt sofort ersetzt haben, widrigenfalls sein Anwalt auf Wiederbeschaffung klage. Er schreit mich an, dass er, wenn ich nicht sofort pariere, meine alten Weingläser zerschlage und Schuld daran sei dann nur ich! Die Klobürste hätte ja schließlich auch ich auf dem Gewissen. Und da falle ihm noch ein, dass ich ja einen Haus- und Wohnungsschlüssel hätte, seine Wohnung – Meine Wohnung, werfe ich ein und er herrscht mich an, das ich ihn gefälligst ausreden lassen solle –, seine Wohnung also sei jetzt nicht einmal mehr vor Dieben sicher, er werde vorsorglich sofort die Feuerwehr anrufen, für die Einsatzkosten hätte natürlich ich aufzukommen.
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Da habe ich meinem Untermieter gesagt, dass ich den Untermietvertrag nicht mehr verlängern würde – mir selbst habe ich vorgeworfen, nicht schon längst auf diese Idee gekommen zu sein. Da hat mein Untermieter die Polizei angerufen: Diese Nichtverlängerung, diese ungerechtfertigte Kündigung wolle er als ein Verbrechen anklagen und ich gehöre in eine Zelle, langfristig, damit er endlich seine Ruhe habe – in meiner Wohnung.
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Doch ich gebe keine Ruhe.
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Ich mag meinen Untermieter nicht.
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Jetzt schon gar nicht mehr.

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Meine kleinen Glossen, s.o und s.u., erhielten folgenden Betroffenheitskommentar:

"Werther Burkhard,
die Gedanken sind frei, und Deine Gedanken sind ziemlich wirr. Ich beobachte jetzt seit geraumer Zeit den geistigen Dünnschiss, den Du auf Deiner Homepage zum Thema Untermieter verbreitest und offenbar mir gewidmet hast. Nun ja, in unserem Land steht es jedem Bürger zu, sich durch seine Äußerungen selber lächerlich zu machen.
Als ehemaliger Leiter der Kabarettbühne Eifelturm kann ich Dir natürlich nicht untersagen, Dich in pointierter, deftiger und überspitzter Form über das Untermietverhältnis zu äußern. Ich denke mir dann immer - was für eine arme Socke. Allerdings kann ich Dich dazu auffordern, es zu unterlassen, nachweislich Unwahrheiten zu verbreiten. Und das werde ich ab sofort tun, wenn es sein muss, auch Zug um Zug:

Ich fordere Dich hiermit auf, die Behauptung, der Elektriker sei ein guter Freund von mir, sofort zu löschen. Damit wird unterstellt, ich hätte krumme Geschäfte zu Deinem Nachteil gemacht. (...)
Ich war mit diesem Elektriker weder befreundet noch stand ich mit ihm in einem anderen als einem rein geschäftlichen Verhältnis.
Ich gebe Dir zwei Tage Zeit, das zu ändern.
Mit besten Grüßen
Jan Bergrath"


***

In fremde Köpfe gekrochen

Ein Ausflug mit hochprozentigen Wahrheitend
... den Gedanken eines 1.Vorsitzenden auf der Spur

1.
„Also, das tut man doch nicht! - Okay, ich hab einen Untermietvertrag unterschrieben. Gut, da stand auch ein Datum drin. Also der Vertrag war befristet, nun ja! Aber das nutzt man doch nicht aus! Also ich habe nie damit gerechnet, dass mein Vermieter den Vertrag plötzlich nicht mehr verlängern will. Ich finde das heimtückisch - ja, das ist Mobbing, Untermieter-Mobbing! Also, wenn der so weitermacht, wende ich mich an die BILD! Naja, zweimal habe ich ihn ja gefragt, ob er mir den Untermietvertrag verlängere und zweimal hat er gesagt: Gut ja, verlängern wir ihn um ein Jahr. Aber dass ich ihn damals gefragt habe, das kann er doch jetzt nicht gegen mich verwenden und diesmal, wo ich nun mal nicht gefragt habe, so mir nichts dir nichts kündigen. Das ist doch die reinste Willkür – eine Enteignung! Ja, das ist es! Der Mann macht sich doch strafbar! Was denkt sich dieser Mensch bloß? Der nutzt mich einfach aus und will plötzlich ... Also, der soll doch mal überlegen, wie es die letzten Jahre war, da war doch ich – und jetzt so was, bloß weil der Mietvertrag befristet ist und ich das unterschrieben habe! Das sind doch mehr als drei Jahre her! Das muss man doch bitteschön bedenken: drei Jahre! Wer wohnte denn in der ganzen Zeit in dieser Wohnung? Ich doch wohl – und der Typ war, wo weiß ich, jedenfalls nicht da. Und jetzt einfach wiederkommen und wieder hier wohnen wollen, in meiner Wohnung! Ich habe mich schließlich daran gewöhnt, hier zu wohnen, und da wird doch wohl dieser Vertrag nichts daran ändern können. Das ist doch Papier, reine Theorie! Aber dass ich hier wohne ist Praxis – das ist die Realität. Ich solle, schreibt er mir neulich, über alles noch mal nachdenken – also, das war ein Brief! Die reinste Häme war das, mit der er mich da überzieht: Nachdenken soll ich! Das ist doch eine geradezu unsittlich Forderung: Ich soll denken! Das hat sich ja noch nie jemand getraut, mir zu sagen.“

2.
„Mann hab ich mich gerade aufgeregt! Ich hab erst mal geputzt. Dabei kann ich mich am besten abreagieren. Außerdem hat meine Wohnung sauber zu sein. Blitzblank! Ich hab da immer sehr viel Wert drauf gelegt. Bei mir kann man vom Boden essen! Also, als ich gerade geputzt habe, ist mir durch den Kopf gegangen, dass mein Vermieter - diese menschliche Zumutung! - mich neulich gefragt hat, warum ich mir denn nicht eine andere Wohnung suche. Hinterlistig, dieser Mensch! Übertölpeln will er mich, übers Ohr hauen, der will mich glatt betrügen! Eine andere Wohnung suchen! Damit würde ich dann ja wohl zugeben, dass ich mit seiner Kündigung einverstanden bin! Na, der kann mich mal – der wird mich noch kennenlernen. Im Flur waren übrigens wieder die Lampen kaputt, also abends und nachts sieht man die Hand da nicht vor Augen. Das geht nicht. Ich denke das ist mietrechtlich auch nicht erlaubt. Aber diesmal zahle ich das nicht, da wird dieser arrogante Vermieter jetzt mal dran glauben müssen. Und wie! Ich tu nichts, ich ruf jetzt einen Elektriker an und lass das so richtig fachgerecht und teuer reparieren. Und die Rechnung geht diesem Ekel zu. Super Idee! Besser ist es wohl noch, wenn ich die Lampenschirme vorher noch abnehme und behaupte, diese Plastikschalen seien durch einen Kurzschluss oder so angekokelt und wegen der Gefahr eines Schwelbrandes hätte ich drei Nächte schon in einem Hotel verbringen müssen – das werde ich ihm dann leider auch in Rechnung stellen. Dieser Vermieter hat sich ja bislang nie um etwas gekümmert. Ich habe hier gewohnt, habe mich zuhause gefühlt und der ist weg und lässt mich die Miete zahlen. Und dann muss ich auch noch für all das aufkommen, was kaputt gegangen ist oder renovierungsbedürftig war – also der hatte mir das Schlafzimmer rot gestrichen hinterlassen! Ich habe kein Auge zugekriegt, bis ich dann alles senfgelb gestrichen hatte. Herrlich, aber auf meine Kosten. Also, wenn ich die alten Lampenschirme jetzt mal abnehme, muss er ja wohl neue kaufen – jedenfalls bestehe ich darauf. Ganz neue Lampen. Und den Elektriker muss er bezahlen. Und das Hotel. Ich will schließlich nicht in einer schwelbrandgefährdeten Bruchbude wohnen. Ordnung muss schließlich sein! Ich geh jetzt gleich mal die Hauben von den Lampen abmontieren und stelle die Dinger dann sicher. Der dämliche Hund bekommt ein Foto. Und dann ruf ich den Elektriker an.“

3.
„Ha, ich hab mit dem Elektriker, der übrigens ein guter Freund von mir ist, telefoniert und der will meinem Vermieter schon mal den Kostenvoranschlag schicken. Ich schreib dem dann gleich auch, wegen der Brandgefahr und dass er schließlich für all das verantwortlich sei. – Oh, sehe ich da nicht den Hauseigentümer?! Den sprech ich jetzt mal an. Also ich werde dem vorschlagen, dass ich eine satt höhere Miete zahle und dafür soll er meinem Vermieter dann kündigen. Ich bin dann der neue Hauptmieter ...“

4.
„Das hat irgendwie nicht geklappt. Verstehe ich aber nicht. Ich verstehe die Welt sowieso nicht mehr, weil: auch das mit dem Elektriker ist schief gegangen. Und jetzt sagt mir auch noch mein Anwalt, dass das mit dem befristeten Mietvertrag wohl ein Ding sei, gegen das man nicht viel machen könne. Der ist jetzt auch noch gegen mich. Ja, also, ich finde – ich finde das ist einfach nicht gerecht. Ich werde trotzdem klagen, ja, vor dem Oberlandesgericht oder noch höher – ganz oben! Jawoll!“

5.
"Schon wieder war das nicht wie ich es doch erwarten durfte. Der Richter hat mir in der Güteverhandlung doch glatt empfohlen, meine Klage zurückzuziehen! Das will ein Richter sein?! Ha, der kann mich mal, der wird mich noch kennenlernen! Ich zieh das durch, auch gegen jeden Richter - ich will meine Gerechtigkeit, jawoll!"